Palazzo Pitti

Palazzo Pitti
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Der Palazzo Pitti

Im Jahre 1458 bekam der italienische Architekt und Bildhauer Filippo Brunelleschi von dem Florentiner Kaufmann Luca Pitti den Auftrag zum Bau eines unvergleichlichen Renaissancepalastes. Brunelleschi war einer der führenden Baumeister der Frührenaissance und zeichnete auch für den Bau der Kuppel bei der Kathedrale von Florenz verantwortlich. Beim ursprünglichen Bau des dreistöckigen Palastes kamen fast ausschließlich grob behauene, sandfarbene Steinquader zur Verwendung, welche die Fassade verzierten. Nachdem die Familie der Pitti bei der Pazzi-Verschwörung, einem Versuch die herrschende Familie der Medici zu stürzen, beteiligt gewesen sein soll, lag das noch nicht gänzlich vollendete Gebäude nahezu einhundert Jahre lang brach. Erst im Jahre 1549 fiel das Gebäude an Eleonora von Toledo, der Ehefrau von Cosimo I. de’ Medici, dem damaligen Herzog der Toskana. Im Laufe der nächsten Jahre begannen zahlreiche Arbeiten, die den Bau letztendlich vervollständigten und um zahlreiche Erweiterungen ergänzten. Hierzu gehörte auch die Schaffung des Boboli-Gartens (Giardino di Boboli), der heute Sammelstätte und Bühne zahlreicher außergewöhnlicher Skulpturen ist.

Der Palazzo Pitti ist im Stadtteil Oltrarno das größte Gebäude und bietet dem interessierten Besucher auf der Südseite des Arno einen imposanten Eindruck. Der Palast zunächst Wohnsitz der Herzöge von Toskana und später Florentiner Residenz der italienischen Könige, wurde im Jahr 1919 von König Victor Emanuel dem Dritten an den italienischen Staat übereignet und ist seitdem der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Als Symbol der langjährig herrschenden Dynastie der Medici und der weiteren Adelslinien des Hauses Habsburg-Lothringen und der Königsfamilie der Savoyen, spiegelt der Palast lebendige Kulturgeschichte wieder. Neben der beeindruckenden Architektur und den einzigartig angelegten Gärten beherbergt der Palazzo Pitti zahlreiche einzelne, nachfolgend aufgeführte Museen mit unterschiedlichen Ausstellungen und seltenen Sammlungen.

Galleria Palatina

Eine der wohl bedeutendsten kunsthistorischen Ausstellungen, überwiegend beruhend auf den Gemäldesammlungen der Medici, zeigt die Galleria Palatina im ersten Stock des Palazzo Pitti. Durch das Haus Lothringen erstmals im Jahre 1828 Besuchern zugänglich gemacht, offenbart das Museum immer noch den Charakter und die Atmosphäre der vergangenen Epochen. Die glanzvollen barocken Säle und Räumlichkeiten mit ihren Fresken und Stuckarbeiten sind würdige Bühne zur Präsentation für verschiedenste weltbekannte Kunstwerke, vor allem des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts. Im Gegensatz zu manch anderen Kunstausstellungen erfolgt die Anordnung und Exposition der Meisterwerke keiner bestimmten Reihenfolge oder künstlerischen Stilrichtung. Ausschlaggebend für die Gestaltung war der individuelle Geschmack der Herrscherfamilien, die den Palast bewohnten und die Kunstschätze im Laufe der Epochen zusammentrugen.

Über die vom italienischen Bildhauer und Baumeister Bertolomeo Ammanati gestaltete Prunktreppe erreicht man die prachtvollen Räumlichkeiten und Audienzsäle der Galleria. Zu den imposantesten Gemäldegruppen in wundervoll ausgearbeiteten Originalrahmen gehören die Werke von Raffael, Rubens und Tizian. Weitere Großmeister früherer und auch späterer Epochen sind mit Werken von Giorgione, Murillo, Bronzino, Lippi oder Velazquez zu sehen. Der große Musiksaal, ganz der Zeit des Neoklassizismus gewidmet und der „Saal der Putten“, in welchem die flämische Malerei jener Zeit dargestellt wird, sind weitere Höhepunkte des Museumsrundganges. Auch weniger kunsthistorisch interessierte Besucher sollten diesen Einblick in das europäische Kulturerbe nicht verpassen. Hier eine kleine Beispielauswahl der weltweit wohl bekanntesten Gemälde:

  • Giorgione „Die drei Lebensalter des Menschen“, ca. 1500
  • Raffael „Madonna und Stuhl mit Johannes dem Täufer als Kind“, ca. 1514
  • Raffael „Die Verschleierte“, um 1510
  • Sandro Botticelli „Weibliches Porträt“, ca. 1485
  • Tizian „La Bella“, um 1536
  • Tizian „Porträt Pietro Aretino“, 1545
  • Filippo Lippi „Madonna mit Kind, aus dem Leben der Heiligen Anna“, ca. 1453
  • Paul Rubens „Porträt von George Villiers, Herzog von Buckingham“, 1625

Galleria d’Arte Moderna

Im zweiten Stock des Palazzo Pitti befinden sich die ehemaligen Domizile der Familie Habsburg-Lothringen. Neben einem herrlichen Ausblick auf Teile von Florenz und den Gartenanlagen des Palastes befindet sich hier die Galerie für Moderne Kunst. Das Museum bietet eine umfangreiche Ausstellung von Skulpturen- sowie Gemäldesammlungen von der Zeit des Neoklassizismus bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Exponate sind weltweit von großer Bedeutung und die Sammlung wird noch heute durch neue Ankäufe oder durch Spenden ergänzt. Der Museumskomplex umfasst rund 30 Räumlichkeiten und die Ausstellungsstücke widmen sich fast ausschließlich der italienischen Malerei, hierunter die von Diego Martelli zusammengetragenen Sammlungen der italienischen „Macchioli-Schule“ einer zeitgenössischen Künstlervereinigung mit Blickrichtung auf den nahenden Impressionismus.

Porträts und umfangreiche historische Themen von bekannten Meistern mischen sich mit stilvollen Raumdekorationen und Skulpturen. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten Anfang des neuen Jahrtausends verhalfen der chronologisch gestalteten Museumsausstellung zu neuem Glanz. Seit jener Zeit gastieren in der Galleria auch immer wieder wechselnde, temporäre Kunstausstellungen verschiedener kunsthistorischer Epochen, berühmter zeitgenössischer Maler sowie unterschiedlicher Themengebiete. Zu den Hauptwerken der ständigen Sammlung gehören beispielsweise Pietro Benvenuti „Eid der Sachsen – 1820“, Giuseppe Bezzuoli „Einzug von Karl dem VIII in Florenz – 1829“, Silvestro Lega „Gesang des Stornello – 1867“ und Giovanni Boldini mit zahlreichen Porträts. Einige der zeitgeschichtlich hervorzuhebenden Skulpturen sind Arbeiten von Antonio Canova und Pietro Tenerani.

Das Porzellanmuseum (Museo delle Porcellane)

Innerhalb der Boboli-Gartenanlagen des Pallazzo Pitti befindet sich auf einer Art Plateau gelegen das „Casino del Cavaliere“, welches das Porzellanmuseum beherbergt. Die Sammlung bedeutender Stücke der edelsten europäischen Porzellanmanufakturen wurde bereits im Jahr 1973 erstmals im Rahmen einer Museumsausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Großteil der Exponate wurde von der Familie des Hauses Lothringen zusammengetragen. Später ergänzten Stücke aus dem Besitz der italienischen Königsfamilie die zahlreichen Vasen, Figuren und Geschirrelemente aus verschiedenen Stilepochen. Etliche weltbekannte Hersteller, wie Capodimonte, Tournai, Vincennes, Chantilly, Meißen oder Wiener Porzellan heben mit vielen Produktionen die Zeit des Rokoko und des Neoklassizismus hervor. Seit dem Jahr 2005 widmen sich einige Gastaustellungen hin und wieder auch internationalen Künstlern im Bereich der Porzellanfertigung sowie der Techniken von Glasur und Vergoldung.

Museum für Mode und Kostüm (Museo della Moda e del Costume)

Das frühere Kostümmuseum (Galleria del Costume) befindet sich am südlichen Teil des Palazzo Pitti in einem Pavillonanbau dem „Palazzina della Meridiana“. Der „Meridian-Anbau“ wurde in seiner jetzigen Form im Jahre 1823 fertiggestellt und erst im Jahr 2007 als Museumsort und öffentliches Gebäude wiedereröffnet. Seitdem können die Besucher die eindrucksvolle Sonnenuhr des Vincenzo Viviani und die prachtvollen Fresken von Anton Domenico Gabbiani, die für den Großfürsten Fernando de‘ Medici entstanden, bewundern. Die Ausstellungsräumlichkeiten für die Kostümgalerie wurden 1983 ins Leben gerufen. Zunächst wurden mehr als sechstausend alte Kleidungsstücke und Kostüme, zum Teil aus dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert zusammengetragen und präsentiert.

Im Laufe der Jahre folgten Theaterstücke, Zubehör und eine umfangreiche Dokumentation, welche die „Galleria“ zu einem der wichtigsten Modemuseen der Welt machten. Öffentliche und private Schenkungen berühmter Zeitzeugen sowie international renommierter Designer wie Valentino, Armani, Versace, Pucci oder Yves Saint Laurent hielten die Museumsausstellung am Puls der Zeit bis hin zur Moderne. Modeschmuck aus dem zwanzigsten Jahrhundert und eine Sonderausstellung zu den Grabbeilagen des Großfürsten Cosimo dem Ersten de‘ Medici, dessen Frau und Sohn sind weiterer Bestandteil der Museumsausstellung. Wechselnde Themenausstellungen im Bereich Mode, Design, Schmuck sowie Theater- und Filmkostüm finden nahezu jährlich auf den Anlagen der Boboli-Gärten oder im Bereich des Kostümmuseums statt.

Das Silbermuseum (Museo degli Argenti)

Das Herz der Renaissance und die Schmuckkunst der Toskana entdeckt der Besucher im Silbermuseum. Aufgeteilt auf Erd- und Zwischengeschoss im linken Flügel des Palazzo Pitti präsentiert die Ausstellung wahre Kostbarkeiten als historisches Zeugnis verschiedener Jahrhunderte. Die erlesenen Schmuckstücke, hauptsächlich aus dem Besitz der Medici und des Hauses Lothringen zeugen vom prachtvollen Glanz der Fürsten, Herrschern der Toskana und der Prinzessinnen. In 25 Räumen werden Exponate ab dem fünfzehnten Jahrhundert ausgestellt. Neben Schmuck auch andere Kostbarkeiten wie Teller, Trinkgefäße, dekorative Tafeln, Elfenbein- und Bergkristallarbeiten. Zu einigen der außergewöhnlichsten Objekte gehören zum Beispiel „Neptun auf einem Muschelboot“ aus der Florentiner Manufaktur, verarbeitet mit Gold und Perlen aus dem 16. Jahrhundert oder die „Valerio Belli“ (Medici Box) aus geschnitztem Bergkristall und vergoldetem Silber, welche von 1530 bis 1532 entstand. Weitere Schätze sind der von Hans Karl (Salzburg) im Jahr 1602 gestaltete Glaskolben, der mit Gold emailliert wurde und ein von Cartier Paris gefertigtes Diadem mit Amethysten sowie Diamanten in Platineinfassung aus dem Jahr 1900.

Kutschenmuseum (Museo delle Carrozze)

Im rechten Flügel des Palazzo Pitti im „Rondo Porto Romana“ ist mit dem Kutschenmuseum eine weitere Ausstellung zu bewundern. Die Sammlung besteht aus zehn Kutschen und zwei Limousinen, die vor allem während des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts am lothringischen sowie dem Hof von Savoyen genutzt wurden. Einige der prachtvoll verzierten Kutschen wurden nur zu ganz besonderen Anlässen verwendet. Der älteste Wagen, ein Zweisitzer datiert zurück auf das Jahr 1750. Die glanzvollsten und wertvollsten Gespanne sind der vergoldete Prunkwagen von Ferdinando dem III und die silberne Kutsche des Königs von Neapel, Ferdinando dem II.

Die königlichen Gemächer (Appartimenti Reali)

Beim Besuch des Palazzo Pitti kommt man nicht umhin, die königlichen Gemächer im rechten Flügel des Palastes zu besichtigen. Nach Ende der Medicidynastie nutzte das Haus Lothringen die Räumlichkeiten und ließ diese nach ihrem Geschmack herrichten. Die mit viel Prunk versehenen Wände und stuckverzierten Decken zeigen überwiegend neoklassizistische Motive. Das Ankleidezimmer der Königin in einem ovalen Raum verzaubert mit von Hand bestickten Seidenpaneelen. Der Thronsaal, der weiße und der gelbe Raum deuten die verschiedenen historischen Perioden des Gebäudes an. Möbel und erlesenes Inventar zeigen den persönlichen Geschmack der Herrscherfamilien und den Stil der jeweiligen Zeit. Ein weiteres Highlight ist das Deckenfresko von Allessandro Allori (Frauen auf der Terrasse), welches im Jahr 1589 entstand.

Informationen und Öffnungszeiten

Für die meisten Museen im Palazzo Pitti gibt es kombinierbare Tickets. Beispielsweise sind Kombitickets für das Kostüm,- Porzellan- und Silbermuseum sowie für die Galleria Palatina, das Museum für moderne Kunst und die königlichen Gemächer erhältlich. Die Öffnungszeiten für den Palazzo Pitti und die damit verbundenen Museen sind für die Sommermonate (Juni, Juli, August) 08.15h bis 19.30h. Im April und Mai 08.15h bis 18.30h. Im März und Oktober gelten die Zeiten 08.15h bis 17.30h und in den Wintermonaten (November bis Februar) 08.15h bis 16.30h. Im Internet finden sich viele Anbieter, bei denen man Tickets oder Kombitickets für die einzelnen Museen „online“ buchen kann. Dieses kann im Einzelfall, und während der Hauptbesuchszeiten lästiges Warten in der Schlange vor Ort überflüssig machen, denn schließlich ist der Palazzo Pitti eines der Gebäude Italiens mit der höchsten Besucherfrequenz. Der Palast liegt unterhalb des südlichen Ufers des Arno, an der Piazza de‘ Pitti 1, 50125 Firenze. Weiterführende Informationen erhalten Interessierte unter nachfolgenden Link: https://www.uffizi.it/

© Foto: Der Palazzo Pitti von clarissavannini860 via Pixabay